Aus gegebenem Anlass …
11. Mai 2009Klebriger Striptease
05. Februar 2009Heute habe ich einen klebrigen Striptease erlebt. Genauer gesagt gleich zwei davon. Es war aber nicht so, dass eine junge Dame oder ein junger Herr sich kunstvoll seiner bzw. ihrer Kleidung beim Erschallen von Saxophon-Musik entledigte. Vielmehr entäußerte sich ein Wohnzimmerfenster seiner Bistro-Gardinenstange, die mit zwei Klebestreifen (Strips) befestigt waren, was mich ziemlich ärgerte. (to tease = ärgern, necken)
So ärgere ich mich auch über den Hornbach-Baumarkt in Herne, den ich an sich sehr gerne besuche und auch dort gerne mal den ein oder anderen Euro lasse. Aber die sieben Euro für den Striptease, der sich nach nicht mal sieben Tagen Nutzung einstellte, waren mir definitiv zu viel.
An dieser Stelle möchte ich einfach mal ein wenig darüber jammern, dass man immer weniger gute Qualität findet. Der Preis ist ja kein Qualitätsmaßstab mehr, man kann auch viel teuren Schrott kaufen. Jedenfalls würde ich gerne mal eine Lanze brechen für Unternehmer, die eine echte Vision haben, für Ihre Kunden etwas mit Sinn und Verstand anzubieten. Aber die meisten haben wohl nur das Geld im Blick, und zwar ihr eigenes Geld. Ganze Lanzenwälder würde ich brechen, auch wenn ich damit irgendwelchen Pikenieren und Plänklern den seltenen Arbeitsplatz gefährden würde.
So weit ich weiß, werden diese Waffen nur noch aktiv im Vatikan eingesetzt. Und die Schweizer Garde könnte statt den Piken und Lanzen mal lieber Schrubber und Besen in die Hand nehmen und den Laden mal richtig sauber und glänzend machen. Wenn dann ein Herr Williamson und andere Klerikale, die dummes antisemitisches Zeug von sich geben, ausrutschen und sich den Unterkiefer brechen, dann wäre das genau in meinem Sinne. Sollen die ruhig mal ein paar Wochen kollektiv aus Schnabeltassen trinken und ansonsten die Klappe halten.
Ich habe ansonsten noch eine Vermutung, wo die wirklich guten Klebestrips eingesetzt werden. Die halten den Mehdorn und den Ackermann auf ihren Stühlen fest. Wahrscheinlich werden solche Strips heimlich in den VIP-Lounges dieser Welt unter den sogenannten Top-Managern und hohen Tieren aus Politik und Gesellschaft unter der Hand für ein sogenanntes Schweinegeld gehandelt.
Das Mobiltelefon meiner Träume
20. Januar 2009Gestern hätte ich fast mein Motorola (sprich Motor-Rolla) geschrottet. Ich habe es mir zu seiner Zeit nach einer langen Suche zugelegt, weil ich dachte, dass es meinen – offensichtlich untypischen – Ansprüchen entspricht. Aber gestern hat es mich gründlich geärgert und um mit Elvis Eifel zu sprechen, mich übel in die Bretagne gebracht.
Leider sind nämlich die beiden Knöpfe an der Seite beim zugeklappten Zustand nicht deaktiviert. Und sie funktionieren auf eine Weise, die mich total ärgert. Es kann nämlich passieren (und das tat es schon oft) dass mein Autoschlüssel oder ein anderer Gegenstand beim Gehen oder Sitzen sich gegen diese Knöpfe drückt und die Lautstärke des Klingeltons reduziert oder ihn ganz abschaltet. So wars denn auch gestern und ich wartete auf einen dringenden Anruf, den ich natürlich nicht bemerkte.
Warum benutze ich hier eigentlich nicht das Wort Handy? Weil ich dieses denglische Wort für total albern halte. In den USA heißt es Mobile Phone, in anderen Ländern wie beispielsweise Indonesien einfach Mobil. Ein Amerikaner würde vielleicht sagen, es handle sich um ein “handy phone”, um damit auszudrücken, dass es sehr handlich sei. In den USA soll der Begriff Handy auch noch anders besetzt sein. In den etwas schmuddeligeren Ecken, wo die Lampen in diversen Etablissements eher rot sind und die körperliche Liebe in diversen Spielarten auf der Straße feilgeboten wird, ist ein Handy oder ein Handy Job das manuelle Gegenstück zu dem eher oral ausgeführten Blow Job. Also was man in unseren Breitengeraden als französisch bezeichnet. Also wie etwa Christiane F. ihren Detlef mit den Worten beruhigte, sie hätte es ihrem Freier nur französisch gemacht. Das alles sind für mich nicht die passenden Assoziationen für einen Gebrauchsgegenstand zum Telefonieren.
Muss ich mich jetzt dafür entschuldigen, dass ich den Begriff Handy so runter geholt habe? Ich denke nein.
Ja, das ist es für mich, ein Gebrauchsgegenstand, ungefähr so sexy wie ein Kochtopf oder ein Staubsaugerbeutel. Beides muss im Rahmen des Gebrauchs einfach funktionieren, ansonsten gibt es Schwierigkeiten und entsprechenden Reinigungsbedarf.
Ich erinnere mich noch mit einem salbungsvollen Schmunzeln an die ersten Jahre, als die Mobiltelefone in unserer Gesellschaft aufkamen. Die, die meinten sich sowas leisten zu müssen oder zu können, hatten in den passenden Szene-Cafés, wie dem Zentral in Bochum (den Vorläufern der heutigen Lounge-Cafés) eine typische Handbewegung. Die war so typisch, dass sie – für die TV-Nostalgiker unter der Leserschaft – für das heitere Beruferaten von Robert Lembke gänzlich ungeeignet gewesen wäre. Wenn also jemand im Studio angedeutet hätte, sein Mobiltelefon aus seiner Bundfaltenhose heraus zu holen und es pantomimisch auf den Tisch gelegt hätte, dann hätten die vier gesetzten Damen und Herren ( Hans Sachs, Oberstaatsanwalt in Nürnberg, Annette von Aretin, TV-Ansagerin und Leiterin des Besetzungsbüros des BR, Guido Baumann, Unterhaltungschef des Schweizer Fernsehens und Marianne Koch, Schauspielerin und ab den 70er Jahren Ärztin) stehend unisono skandiert: “Sie sind ein sogenannter Handy-Dandy, Student einer wirtschaftswissenchaftlichen oder juristischen Fakultät und von Beruf Sohn.” Traurig und mit roten Ohren unter hartem Haarlack hätte der junge Schnösel dann sein leeres Schweinderl nach Hause tragen und es dort vermutlich in seiner Designer-Glasvitrine zwischen Ferrari- und Lamborghini-Modellen von Burago einstauben lassen müssen.
Seit ungefähr dieser Zeit suche ich nach meinem idealen Mobiltelefon.
Erstens sollte es zum Aufklappen sein. Denn ich hasse zerkratzte Displays, möchte das Teil aber auch in der selben Hosen- und Jackentasche tragen, die auch mal vom Wohnungs- oder Autoschlüssel heimgesucht wird.
Zweitens sollte es aus dem selben Grund eine kratzfeste Einbrenn-Lackierung haben und über ein entsprechendes Metall-Gehäuse verfügen. Mein Mobiltelefon erinnert aktuell eher an den Zustand der Rüstung von Boba Fett oder des Millenium-Falken von Han Solo aus Star Wars. Da ich ein großer Fan von Star Wars bin, ist dieses Manko für mich tolerabel.
Drittens muss es frei sein von jeglichem Schnick-Schnack. Dazu zähle ich explizit die Kamera, die das Ding einfach nur größer und schwerer macht, als es sein muss. Auch sämtlicher Jamba-Zamba im Spar-Abo kann gerne fern bleiben. Meinen Klingelton würde ich dann gerne ein für alle Mal im Laden meines Vertrauens aufspielen lassen. Und zwar müsste es wieder – wie seit Jahren – das Thema meines Lieblingsfilms Godfather (auf deutsch Der Pate) sein.
Viertens braucht es keinerlei Funktionen für UMTS. Ich will nicht online spielen, keine blöden Talkshows gucken, … ich will einfach nur telefonieren.
Fünftens sollte es Bluetooth besitzen und einen STANDARD-Stecker. Ich betone noch einmal: STANDARD! Damit sich nicht eine Batterie von Ladegeräten und Zubehör über die Jahre ansammeln muss. Der blaue Zahn ist schon praktisch, wenn man ein kabelloses Headset benutzen möchte.
Sechstens möchte ich gerne vertraulich damit telefonieren können, also relativ abhörsicher. Der liebe Gott weiß alles und unser Innenminister ist auf dem Weg dahin. Aber auch andere können wohl sehr einfach die Gespräche mithören, was mir überhaupt nicht gefällt. Daher nutze ich das Teil geschäftlich auch nicht so, wie es letztendlich sinnvoll wäre.
Siebtens sollte es auch noch in vielen Jahren in nahezu allen Ländern dieser Welt funktionieren, und zwar mit der Karte, die ich als Kunde dafür nutzen möchte. Hier in Deutschland wäre das zum Beispiel die von Callmobile.
Achtens sollte die Menüführung und sonstigen Bedienelemente intuitiv und ergonomisch sein. Also das das Handbuch auch ungelesen bleiben kann und man trotzdem alle sinnvollen Funktionen einfach nutzt. Dazu würde ich einen Wecker und einen Taschenrechner zählen, einen MP3-Player ausdrücklich nicht.
Neuntens wünsche ich mir ein klassisches und zeitloses Design, wie etwa die Gegenstände, die vom Bauhaus etwa von Marcel Breuer gestaltet wurden. Die Form folgt der Funktion ist ein Motto, das auch heute noch gilt.
Einen zehnten Wunsch habe ich nicht. Sonst hätte ich diesen Artikel ja auch “Die zehn Gebote für mein Mobiltelefon” genannt. Da ich leider kein Gebieter bin, muss ich mein Traum-Telefon weiter auf dem freien Markt suchen. Aber es ist vermutlich genau so schwer zu finden wie eine Männerversteherin.
